19. Februar 2026

Biomarker mit hohem Vorhersagewert für kardiovaskuläre Erkrankungen

Entzündungen im Körper sind ein oft übersehener Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Der Blutwert hsCRP kann versteckte Risiken aufdecken – selbst bei normalem Cholesterin. Medikamente zur direkten Senkung des hsCRPs gibt es bislang nicht.
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Seit vielen Jahren nutzen Ärztinnen und Ärzte bekannte Risikofaktoren, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorherzusagen. Dazu gehören hoher Blutdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes, Rauchen, Übergewicht und eine familiäre Vorbelastung. Diese Faktoren sind weiterhin wichtig – doch die Forschung zeigt immer deutlicher, dass Entzündungen im Körper eine zentrale Rolle spielen.

Ein bestimmter Blutwert rückt dabei immer mehr in den Fokus: das hochempfindliche C-reaktive Protein, kurz hsCRP. Dieser Wert kann helfen, das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall besser einzuschätzen – manchmal sogar besser als Cholesterin allein.

Studien zeigen: Menschen mit erhöhtem hsCRP haben ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse, auch wenn ihr Cholesterin normal ist. Das bedeutet: Ein unauffälliger Cholesterinwert schließt ein erhöhtes Risiko nicht immer aus.

Was ist CRP – und was sagt hsCRP aus?

CRP ist ein Eiweiß, das in der Leber gebildet wird. Es steigt an, wenn im Körper eine Entzündung vorhanden ist. Das kann bei Infektionen passieren, aber auch bei chronischen Erkrankungen wie rheumatischen Krankheiten oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Der hsCRP-Test ist besonders empfindlich. Er erkennt kleine, dauerhafte Entzündungen, die oft keine Beschwerden verursachen, aber langfristig schädlich sein können. Diese sogenannten niedriggradigen Entzündungen spielen bei der Entstehung von Arterienverkalkung (Atherosklerose) eine wichtige Rolle.

Warum Entzündungen den Gefäßen schaden

In den Blutgefäßen können sich im Laufe der Zeit Fettablagerungen (Plaques) bilden, vor allem durch LDL-Cholesterin („schlechtes Cholesterin“). Der Körper erkennt diese Plaques als etwas „Fremdes“ und reagiert mit einer Entzündungsreaktion.

Das Problem:
Entzündungen machen die Plaques instabil. Sie können aufreißen, was zur Bildung eines Blutgerinnsels führt. Wird dadurch ein Herzkranzgefäß oder ein Gefäß im Gehirn verschlossen, kommt es zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Ein erhöhter hsCRP-Wert ist daher ein Hinweis darauf, dass solche Entzündungsprozesse im Körper aktiv sind – auch wenn andere Werte noch unauffällig erscheinen.

Gehört hsCRP zur jährlichen Blutuntersuchung?

Der hsCRP-Test ist kein neuer Test. Er wird seit vielen Jahren verwendet und ist einfach durchzuführen. Wichtig ist: Er sollte nur gemessen werden, wenn keine akute Infektion vorliegt, da Erkältungen oder andere Entzündungen den Wert kurzfristig erhöhen können.

Zur Standard-Vorsorge gehören bisher:

  • Cholesterinwerte (LDL, HDL, Gesamtcholesterin)
  • Triglyzeride
  • Blutdruck
  • Blutzucker

Diese Werte bleiben sehr wichtig. Der hsCRP-Wert kann jedoch zusätzliche Informationen liefern, vor allem bei Menschen mit mittlerem Risiko. Das sind zum Beispiel Personen mit leicht erhöhtem Blutdruck oder grenzwertigem Cholesterin, bei denen unklar ist, ob bereits eine medikamentöse Behandlung nötig ist.

Auch bei Menschen mit bereits bekannter Herz-Kreislauf-Erkrankung kann hsCRP helfen, das Risiko für erneute Ereignisse besser einzuschätzen.

Was sagt die Forschung?

Große Studien zeigen:

  • Menschen ohne bekannte Herzerkrankung, aber mit erhöhtem hsCRP, haben ein höheres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
  • Ein erhöhter hsCRP-Wert steht auch mit Herzschwäche in Zusammenhang
  • Entzündung beschleunigt das Fortschreiten der Arterienverkalkung

Kurz gesagt: Entzündung ist ein eigenständiger Risikofaktor, unabhängig von Cholesterin.

Wie kann man hsCRP senken?

Die gute Nachricht: Viele Maßnahmen, die dem Herzen guttun, senken auch Entzündungen.

Wichtige Schritte sind:

  • Gesunde, entzündungsarme Ernährung (viel Gemüse, Obst, Vollkorn, Fisch)
  • Regelmäßige Bewegung
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht
  • Rauchstopp
  • Gute Einstellung von Blutdruck und Blutzucker

Wenn entzündliche Grunderkrankungen bestehen, ist es wichtig, diese konsequent zu behandeln.

Welche Rolle spielen Medikamente?

Bestimmte Cholesterinsenker (Statine) senken nicht nur das LDL-Cholesterin, sondern auch den hsCRP-Wert. Studien zeigen, dass Menschen mit erhöhtem hsCRP auch dann von Statinen profitieren können, wenn ihr Cholesterin nicht stark erhöht ist.

Allerdings gibt es bisher nur wenige Medikamente, die gezielt niedriggradige Entzündungen senken. Deshalb bleibt der Lebensstil der wichtigste Ansatzpunkt.

Fazit:
  • Cholesterin ist wichtig – aber nicht alles
  • Entzündungen spielen eine zentrale Rolle bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • hsCRP kann helfen, versteckte Risiken zu erkennen
  • Besonders sinnvoll ist der Test bei Menschen mit mittlerem Risiko
  • Ein gesunder Lebensstil senkt Entzündung und schützt das Herz

Herzgesundheit bedeutet heute: Cholesterin UND Entzündung im Blick behalten.