23. März 2026

Ärzte und Patienten spüren die Folgen der ICE-Zeit

Razzien der US-Einwanderungsbehörde ICE haben große Auswirkungen auf das Gesundheitssystem, vor allem in Gegenden mit vielen Einwandererfamilien. Viele Menschen haben Angst, ihr Zuhause zu verlassen. Arzttermine werden abgesagt oder verschoben. Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte übernehmen neue Rollen: Sie geben emotionalen Halt, helfen bei Notfallplänen für Familien und bieten praktische Lösungen wie Telemedizin oder Medikamentenlieferungen an. Die medizinische Versorgung leidet – und die seelische Belastung für Familien und medizinisches Personal ist sehr hoch.
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Angst im Alltag der Kliniken

Als im Herbst ICE-Agenten in einer Großstadt im Mittleren Westen auftauchten, reagierte eine gemeinnützige Klinik sofort: Das Gebäude wurde für mehrere Stunden geschlossen. Niemand durfte hinein oder hinaus. Ziel war es, die Patientinnen und Patienten zu schützen.

Die Agenten hielten sich zwar meist in der Umgebung auf, kamen aber nicht direkt in die Klinik. Trotzdem war die Angst groß. Viele Mitarbeitende und freiwillige Helfer hatten Sorge, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein – selbst wenn sie sich legal im Land aufhielten.

Diese Angst betrifft nicht nur Patientinnen und Patienten, sondern auch das medizinische Personal. Stress, Unsicherheit und Anspannung gehören seitdem zum Arbeitsalltag.

Medizinische Versorgung ist mehr als Behandlung

Schon lange leisten Ärztinnen und Ärzte in diesen Kliniken mehr als reine Medizin. Sie helfen beim Ausfüllen von Formularen, beim Übersetzen von Dokumenten oder beim Kontakt mit Schulen und Behörden.

Durch die verstärkten Razzien ist diese Rolle noch wichtiger geworden. Medizinisches Personal ist oft eine der wenigen vertrauenswürdigen Anlaufstellen für Familien. Sie begleiten Menschen bei Schwangerschaften, Krankheiten, Todesfällen – und jetzt auch bei der Angst vor Inhaftierung und Abschiebung.

Gespräche dauern länger. Viele Patientinnen und Patienten sind verzweifelt, weinen oder berichten von großer Angst. An effiziente Abläufe ist oft nicht zu denken. Zuerst geht es darum, zuzuhören.

Belastung für Kinder und Familien

Besonders stark betroffen sind Kinder. In vielen Fällen haben sie Angst, dass ihre Eltern nachts abgeholt werden könnten. Manche schlafen schlecht, haben Albträume oder körperliche Beschwerden ohne klare Ursache.

Oft kommen Kinder nicht mehr mit ihren Eltern zum Arzt, sondern mit älteren Geschwistern. Das soll das Risiko verringern, dass Erwachsene unterwegs festgenommen werden. Dadurch fehlen wichtige Informationen zur Krankengeschichte, was die Behandlung erschwert.

In einigen Familien wurden Eltern bereits abgeschoben. Zurück bleiben Kinder und Angehörige in Schock und Trauer. Auch für Ärztinnen und Ärzte ist das emotional kaum auszuhalten. Manche brauchen kurze Pausen, um sich zu sammeln, bevor sie den nächsten Patienten sehen.

Immer mehr verpasste Termine

Schon vor Beginn der Razzien sagten viele Menschen Arzttermine aus Angst ab. Mit den tatsächlichen Einsätzen stieg diese Zahl stark an.

In manchen Einrichtungen erschienen die Hälfte der Patientinnen und Patienten nicht zu ihren Terminen. Auch wichtige Weiterbehandlungen bei Fachärzten wurden nicht wahrgenommen.

Viele Kliniken verzeichneten:

  • deutlich mehr abgesagte Termine
  • einen starken Rückgang neuer Patientinnen und Patienten
  • einen massiven Anstieg von Telemedizin-Terminen

Viele Menschen trauen sich schlicht nicht mehr aus dem Haus.

„Habt ihr einen Notfallplan?“

Ärztinnen und Ärzte sprechen heute häufig über Fragen, die früher kaum Thema waren:

  • Wer kümmert sich um die Kinder, wenn Eltern festgenommen werden?
  • Gibt es eine Liste mit wichtigen Medikamenten?
  • Darf eine andere erwachsene Person Kinder von der Schule abholen?
  • Wissen Schulen und Betreuungseinrichtungen Bescheid?

Diese Gespräche sind für Familien extrem belastend. Die Vorstellung, plötzlich getrennt zu werden, ist für Kinder ein Albtraum.

Wenn tatsächlich ein Elternteil festgenommen wird, rufen Familien oft zuerst in der Klinik an. Kinder erleben, wie ein Elternteil gewaltsam abgeführt wird. Danach essen sie schlecht, schlafen kaum, und die Familie verliert oft auch noch ihr Einkommen.

In solchen Situationen leisten Ärztinnen und Ärzte oft telefonische oder digitale Unterstützung. Sie helfen, Tagesroutinen aufrechtzuerhalten, um Kindern wenigstens etwas Sicherheit zu geben.

Praktische Lösungen im Ausnahmezustand

Um die Versorgung aufrechtzuerhalten, passen sich viele Einrichtungen an:

-> Telemedizin

Patientinnen und Patienten können kurzfristig von persönlichen Terminen auf Video- oder Telefontermine wechseln. In manchen Kliniken hat sich die Zahl dieser Termine vervielfacht.

-> Medikamentenlieferung

Viele Kliniken arbeiten mit Apotheken zusammen, die Medikamente direkt nach Hause liefern – oft kostenlos oder sehr günstig.

-> Hausbesuche und Unterstützung

Manche Einrichtungen haben Hausbesuche ausgeweitet oder sogar Lebensmittel geliefert, wenn Familien zu große Angst hatten, selbst einkaufen zu gehen.

Angepasste medizinische Entscheidungen

Ärztinnen und Ärzte wägen heute stärker ab:

  • Was ist dringend?
  • Was kann warten?
  • Ist es für die Familie sicher, das Haus zu verlassen?

Manche Untersuchungen oder Überweisungen werden bewusst verschoben, um Risiken zu minimieren.

Folgen für Gesundheit und Gesellschaft

Trotz aller Bemühungen verzichten viele Menschen auf wichtige Vorsorge:

  • Impfungen
  • Blutuntersuchungen
  • Krebsvorsorge
  • Kontrollen bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes

Das kann langfristig schwere gesundheitliche Folgen haben – für Einzelne und für das Gesundheitssystem insgesamt.

Gleichzeitig steigt die seelische Belastung für medizinisches Personal. Viele erleben moralische Konflikte, weil sie wissen, was medizinisch nötig wäre, aber sehen, dass Angst den Zugang zur Versorgung blockiert.

Fazit

Die ICE-Razzien haben weitreichende Folgen, die weit über Einwanderungspolitik hinausgehen. Sie beeinflussen den Zugang zur medizinischen Versorgung, die psychische Gesundheit von Kindern und Familien sowie die Arbeit von Ärztinnen und Ärzten.

Kliniken versuchen mit Kreativität, Mitgefühl und Flexibilität gegenzusteuern. Doch Angst bleibt ein ständiger Begleiter – in den Wartezimmern, in den Familien und auch bei denen, die helfen wollen.

Kommentar:

Die Konversion des politischen Systems in den USA hat weitreichende Folgen auch für die Gesundheitsversorgung. Es sind nicht nur ideologisch motivierte, ohne den Rat von wissenschaftlichen Gremien staatlich verordnete Impf-  und Ernährungsempfehlungen. 

modifiziert aus: Medscape - January 15, 2026.