13. April 2026

Entzündung an Gefäßen kontrollieren: Wie moderne Forschung Herzinfarkt und Herzschwäche besser verhindern will

Neue Studien zeigen, dass chronische Entzündungen Herzinfarkt und Herzschwäche maßgeblich vorantreiben können. Innovative Therapien setzen genau hier an – mit dem Ziel, das Herz gezielt zu schützen.
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Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören weiterhin zu den häufigsten Todesursachen in unserer Gesellschaft. Lange Zeit galt vor allem Cholesterin als Hauptschuldiger – und dessen Senkung als wichtigste Maßnahme, um Herzinfarkte und Schlaganfälle zu verhindern. Heute wissen wir: Das Herz ist komplexer. Neben Cholesterin spielen auch Entzündungen im Körper eine entscheidende Rolle.

Die moderne kardiologische Forschung setzt deshalb an neuen Punkten an. Ein besonders spannender Ansatz steht derzeit im Fokus großer internationaler Studien:

👉 chron. Entzündungen, unbemerkt in Gefäßen und Herz

Entzündung: Das „stille Feuer“ in den Gefäßen

Neben Blutfetten rückt ein weiterer Faktor immer stärker in den Mittelpunkt: chronische Entzündung. Diese kann über Jahre unbemerkt bestehen und trägt dazu bei, dass sich Gefäße verhärten, verengen und instabil werden.

Ein wichtiger Marker für solche Entzündungen ist das hoch-sensitive C-reaktive Protein (hsCRP). Ein erhöhter Wert zeigt an, dass im Körper entzündliche Prozesse ablaufen – auch dann, wenn man sich eigentlich gesund fühlt.

Die Forschung verfolgt deshalb einen neuen Ansatz: Entzündung gezielt bremsen, um das Herz zu schützen.

Ziltivekimab: Ein neuer Ansatz gegen Entzündung

Ein besonders vielversprechender Wirkstoff heißt Ziltivekimab. Dabei handelt es sich um einen monoklonalen Antikörper, der gezielt den Entzündungsbotenstoff Interleukin-6 (IL-6) blockiert. IL-6 spielt eine zentrale Rolle bei chronischen Entzündungen und wird mit Gefäßschäden, Herzschwäche und Nierenerkrankungen in Verbindung gebracht.

Ziltivekimab wird derzeit in mehreren großen Studien untersucht:

ZEUS-Studie

Diese Studie richtet sich an Patient:innen mit Arterienverkalkungchronischer Nierenerkrankung und erhöhtem Entzündungswert. Ziel ist es herauszufinden, ob die IL-6-Blockade schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall verhindern kann.

HERMES-Studie

Hier stehen Menschen mit Herzinsuffizienz bei erhaltener oder leicht eingeschränkter Pumpfunktion (HFpEF/HFmrEF) im Fokus. Gerade bei dieser häufigen Form der Herzschwäche gibt es bislang nur wenige wirksame Therapien. Entzündung gilt als ein zentraler Treiber der Erkrankung.

ARTEMIS-Studie

Diese Studie setzt besonders früh an: direkt nach einem akuten Herzinfarkt. Untersucht wird, ob eine sofortige Entzündungshemmung die Erholung des Herzens verbessern und weitere Ereignisse verhindern kann.

Erste Ergebnisse machen Hoffnung

Bereits frühere Studien (z. B. RESCUE) zeigten, dass Ziltivekimab Entzündungsmarker wie das CRP um bis zu 90 %senken kann – ohne relevante negative Auswirkungen auf Cholesterinwerte oder die Leber. Die Substanz wird einmal monatlich unter die Haut gespritzt, was die Anwendung vergleichsweise unkompliziert macht.

Wichtig zu wissen:
⚠️ Ziltivekimab ist noch nicht zur Anwendung zugelassen.
Die entscheidenden Ergebnisse großer Phase-3-Studien werden in naher Zukunft erwartet. Erst bei positiven Ergebnissen können die Hersteller eine Zulassung beantragen.

Was bedeutet das für Patienten heute?

Auch wenn diese Therapien noch Zukunftsmusik sind, zeigen sie klar:
👉 Herzmedizin entwickelt sich weiter – weg von einem einzigen Risikofaktor, hin zu einem ganzheitlichen Verständnis von Blutfetten, Entzündung und individueller Veranlagung.

Weiterhin aber bleibt es für Patienten wichtig:

  • klassische Risikofaktoren wie Blutdruck, Cholesterin, Diabetes und Bewegung konsequent zu behandeln