19. Februar 2026

Lipoprotein(a): Ein unterschätzter Risikofaktor für Herz und Gefäße

Lipoprotein(a), kurz Lp(a) ist ein genetisch bestimmter Risikofaktor für Gefäßkrankheiten. Dabei handelt es sich um ein spezielles Fett-Eiweiß-Teilchen im Blut, das ähnlich wie LDL wirkt. Bislang bestehen nur eingeschränkt therapeutische Optionen. Dennoch sollte diesem Parameter bei der Diagnostik größere Bedeutung beigemessen werden.
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Was ist Lipoprotein(a)?

Lp(a) ist eine Art „Zusatz-LDL“. Es transportiert Cholesterin im Blut, kann sich aber auch in den Gefäßwänden ablagern und die Entstehung von Plaques fördern.
Anders als normales LDL wird Lp(a) hauptsächlich durch die Gene bestimmt. Ein hoher Wert ist oft schon von Geburt an vorhanden und bleibt über das Leben relativ stabil.


Wie häufig ist ein hoher Lp(a)-Wert?
  • Schätzungen zufolge haben 1 von 5 Erwachsenen einen erhöhten Lp(a)-Wert.
  • Besonders gefährdet sind Menschen mit Herzinfarkt, Schlaganfall oder Aortenklappenverkalkung in der Familie.
  • Hohe Werte sind nicht immer sichtbar, da sie keine Beschwerden verursachen.
Welches Risiko geht von Lp(a) aus?

Ein hoher Lp(a)-Wert erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, unabhängig von LDL-Cholesterin oder anderen Risikofaktoren.

  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • Verengung der Aortenklappe

Die Gefährlichkeit hängt vor allem von der Höhe des Lp(a) und dem Gesamtrisiko ab.

Therapieoptionen heute

Direkt das Lp(a) zu senken, war lange schwierig. Es gibt keine Standardmedikamente, die Lp(a) stark und zuverlässig reduzieren.
Aktuelle Strategien konzentrieren sich deshalb auf das Gesamtrisiko und den LDL-Wert.

1. LDL so niedrig wie möglich halten
  • Statine
  • Ezetimib
  • PCSK9-Hemmer

Diese Medikamente reduzieren LDL, gleichen teilweise das Risiko durch Lp(a) aus und sind das wichtigste Mittel der Wahl.

2. Lipidapherese (Blutwäsche)
  • Blutreinigung, ähnlich einer Dialyse
  • Senkt Lp(a) um 60–70 % pro Sitzung
  • Eingesetzt bei sehr hohem Risiko oder fortschreitender Herz-Kreislauf-Erkrankung
3. Lebensstil
  • Gesunde Ernährung
  • Bewegung
  • Rauchstopp

Weniger wirksam auf Lp(a), aber reduziert das Gesamtrisiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.


Therapieoptionen der Zukunft

Neue Medikamente zielen direkt auf Lp(a) ab:

siRNA- & Antisense-Therapien (greifen direkt in den Zellstoffwechsel ein)

  • Können Lp(a) in Studien um > 80 % senken
  • Noch nicht zugelassen
  • Versprechen eine langfristige Senkung

Diese Therapien könnten in Zukunft für Menschen mit sehr hohem Risiko eine wichtige Option werden.

Worauf sollte man achten?
  • Lp(a) einmal messen lassen – besonders bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie. Frauen einmal zusätzlich in der Menopause.
  • Gesamtrisiko beurteilen – hoher Lp(a)-Wert allein ist noch kein akutes Problem.
  • LDL und Lebensstil optimieren – derzeit der wichtigste Schritt, um Herz und Gefäße zu schützen.
Merksätze für Patient:innen
  • p(a) ist genetisch – man kann es nicht direkt mit Standardmedikamenten behandeln.
  • Ein hoher Wert erhöht das Risiko, besonders zusammen mit anderen Risikofaktoren.
  • Frühes Handeln bei LDL und Risikofaktoren schützt Herz und Gefäße.
  • Die Zukunft bringt Hoffnung durch gezielte Lp(a)-Therapien.
Fazit:

Lipoprotein(a) ist ein oft unterschätzter, genetisch bedingter Risikofaktor für Herz und Gefäße.
Auch wenn man das Lp(a)-Risiko heute nur indirekt beeinflussen kann, bietet die optimale Kontrolle von LDL, Lebensstil und Gesamtrisiko den besten Schutz.
Zukünftige Therapien könnten Lp(a) direkt senken und das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Aortenklappenverkalkung deutlich verringern.