30. Oktober 2025

60 Jahre alt – Wieviel Lebenszeit kann ich durch Optimierung der Herz-Risikofaktoren gewinnen!

Durch die gezielte Verbesserung von Herz-Risikofaktoren kann man auch im Alter von 60 Jahren noch deutlich an Lebenszeit gewinnen.
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1. Wie bleibt man möglichst lange gesund?

Welche Opfer muss man bringen, wenn man möglichst lange gesund leben will?
Die „Longevity“-Fachfrau Nina Ruge sagt, dass sie sich vom Begriff der Langlebigkeit verabschiedet hat und stattdessen eine personalisierte Präventionsmedizin favorisiert –mit dem Credo:

„Jung sterben, aber so spät wie möglich.“

Das bisher höchste Lebensalter – 122 Jahre und 164 Tage (Jeanne Calment) – wurde von niemandem übertroffen.
Eine im September 2025 erschienene Publikation in der Zeitschrift Cell gibt jedoch neue Einblicke:

Untersucht wurde die älteste lebende Person der Welt, Maria Brannyes Morera (1907–2024).
Sie starb im Alter von 117 Jahren und 168 Tagen. Ihre Töchter berichteten, dass sie regelmäßig las, mit ihren Hunden spielte, viel Zeit mit Freunden und Familie verbrachte –und täglich große Mengen Joghurt aß.

Die Analysen zeigten:

  • Ein extrem widerstandsfähiges Genom mit Pro-Langlebigkeitsallelen
  • Schutzvarianten für Herz-Kreislauf-System, Gehirn und Immunsystem
  • Sieben homozygote Varianten, bisher bei keinem Europäer beschrieben
  • Geringes Körpergewicht, wenig Körperfett, kein Diabetes, keine Hypertonie
  • Niedrige Entzündungswerte und ein entzündungshemmendes Darmmikrobiom
  • Stabile Chromosomen trotz Telomerabnutzung

Diese Befunde verdeutlichen, dass Altern und Krankheit entkoppelt werden können –unter günstigen Bedingungen:
soziales Miteinander, Mikrobion-schützende Ernährung, Kalorienreduktion und leichte körperliche Aktivität.


2. Biologisches Alter und Risikofaktoren

Seit über zehn Jahren gibt es Bluttests zur Bestimmung des biologischen Alters.
Steve Horvath („Horvath’s Clock“) betont jedoch, dass die zugrundeliegende Biologie weiterhin ein Rätsel bleibt.

Demgegenüber zeigen Analysen des Global Cardiovascular Risk Consortium 2025 (über 2 Millionen Teilnehmer aus 39 Ländern):

Das Lebenszeitrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis zum Alter von 90 Jahren hängt bei 50-Jährigen hauptsächlich von folgenden fünf Risikofaktoren ab:

1. Rauchen
2. Hyperlipidämie
3. Diabetes mellitus
4. Übergewicht
5. Hypertonie

Liegen alle fünf Risikofaktoren vor, beträgt das Risiko:

Frauen: 24 %
Männer: 39 %

Ohne diese Risikofaktoren gewinnen:

Frauen +13,3 Lebensjahre
Männer +11,8 Lebensjahre


3. Rauchen und Gefäßschäden

Die Gefahren des Rauchens sind bekannt – Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs der Lunge und Blase.
Weniger bekannt: E-Zigaretten und Vaper schädigen Lunge, Gehirn und Gefäße. Schon einmaliges „Vapen“ beeinträchtigt die Arterienfunktion; tägliches „Vapen“ führt zu Elastizitätsverlust, Umbau der Arterien und Hochdruckentwicklung.

Nur ein vollständiger Rauchstopp senkt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall um 20–30 %.

Nichtraucher: Ø Lebenserwartung 82,5 Jahre
Raucher: nur 74,5 Jahre
Rauchstopp mit 54 Jahren: +6 Lebensjahre


4. LDL-Cholesterin – der stille Killer

LDL-Cholesterin ist der wichtigste Fettpartikel bei der Entstehung von Atherosklerose.
LDL 6 (small dense LDL) → sehr gefährlich (z. B. bei Diabetikern)
LDL 1 (large buoyant LDL) → wenig gefährlich (z. B. bei Sportlern)
Da Laborwerte Mischformen zeigen, sollten Zielwerte individuell interpretiert werden:

Risiko-Level Zielwert LDL (mg/dl)
gering < 116
sehr hoch < 40

Etwa 20 % des LDL stammen aus der Nahrung, der Rest aus der Leberproduktion. Neben Statinen und Ezetimib sind PCSK9-Hemmer besonders wirksam.
Ein neuer Ansatz nutzt mRNA-Therapie, um PCSK9 dauerhaft abzuschalten – ähnlich der Technologie der COVID-Impfstoffe.


5. Diabetes, Übergewicht und Ernährung

Ein Diabetes mellitus reduziert die Lebenserwartung bei 60-Jährigen um 6 Jahre, nach einem Herzinfarkt sogar um 12 Jahre.
Übergewicht ist Haupttreiber dieser Entwicklung:
Über 1 Milliarde Menschen weltweit sind fettleibig.
Günstig wirkt braunes Fett, das Kalorien in Wärme umwandelt. Es lässt sich fördern durch:

 · Kälteexposition
 · Fasten
 ·Jod, Chili, Kurkuma, Kaffee

Industrie & Überkonsum

Die Weltbevölkerung steigt laut Statista Research (2025) bis 2040 auf 9,18 Milliarden. Damit nehmen ultraverarbeitete Lebensmittel und Fettleibigkeit weiter zu.
Ziel der Industrie: gezielte Kombination von Zucker, Fett und Stärke, um „Food Junkies“ zu erzeugen.


6. Gewichtsreduktion – was wirkt wirklich?

Laut der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (2024):

Maßnahme                                                      Gewichtsreduktion
Lebensstiländerung                                              - 10 %
Körperliche Aktivität                                             -  3 %
GLP-1-Agonisten (Semaglutid, Tirzepatid)       - 18 %
Bariatrische Operation                                         - 25-30 %

Neue Substanzen wie Retrarutid und Amycretin erreichen bis zu -24 %.
Auch orale GLP-1-Formen (z. B. Semaglutid 1× täglich) sind in Zulassung.
GLP-1-Medikamente zeigen zudem Schutzfunktionen für Herz, Leber und Niere und reduzieren in Studien auch Alkoholkonsum.

Die WHO (September 2025) stuft Fettleibigkeit offiziell als chronische, fortschreitende Erkrankung ein.

7. Blutdruck und neue Therapien

Mit dem Alter steigt der Blutdruck kontinuierlich an.
Für eine korrekte Messung gilt:

30 min vorher kein Sport, Essen, Kaffee oder Rauchen
5–10 min Ruhe vor der Messung
3 Messungen im Abstand von 1 Minute, Mittelwert aus 2. + 3.

Optimal: < 120/70 mm Hg

Verfügbare Medikamente:

 · ACE-Hemmer (Ramipril)
 · Sartane (Telmisartan)
 · Calciumantagonisten (Amlodipin)
 · Diuretika (HCT)
 · Betablocker (Metoprolol)
 · Aldosteronantagonisten (Aldactone)

Neue Entwicklungen:

Zilebesiran (Injektion alle 6 Monate)
Aldosteronsynthase-Inhibitoren (Lorundrostat, Baxdrostat)


8. Fazit – Gene vs. Lebensstil

Lebenszeit wird etwa zur Hälfte durch Gene, zur anderen durch Lebensstil bestimmt.
Entscheidende Faktoren für gesundes Altern:

 · Tägliche, leichte Bewegung – und wenig Sitzen
 · 2–3 Mahlzeiten pro Tag, frisch & ballaststoffreich
 · Kalorienbewusste Ernährung, niedriges Gewicht
 · Ausreichend Schlaf
 · Weniger Reizüberflutung durch Smartphone & Medien
 · Gute Gespräche, geistige Aktivität und unterhaltsame Fortbildung –z. B. bei     der Herzstiftung Krefeld