2. Juni 2026

Herzgesundheit: Das Sankt-Florians-Prinzip ist keine Lösung!

Ein Herzinfarkt oder Schlaganfall kommt für die Betroffenen meist völlig überraschend. Doch was sich wie ein plötzliches Ereignis anfühlt, ist oft das Ende eines jahrelangen, schleichenden Prozesses im Körper. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen nun deutlicher denn je: Wir müssen handeln, bevor es zum ersten Mal „knallt“.
Image

Die unterschätzte Gefahr vor dem ersten Ereignis

Viele Menschen wiegen sich in Sicherheit, solange sie keine Beschwerden haben. Doch das ist ein gefährlicher Trugschluss. Die Prozesse, die zu Gefäßerkrankungen führen, bleiben oft über Jahre hinweg „stumm“ und werden erst sehr spät durch Symptome bemerkbar.

 

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:

  • Rund 14 % der Betroffenen versterben bereits bei ihrem allerersten Herzinfarkt.

  • Von denjenigen, die den ersten Infarkt überleben, sterben etwa 42 % innerhalb der nächsten fünf Jahre oder erleiden ein weiteres schweres Ereignis.

Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nimmt also schon lange vor dem ersten Notfall stetig zu. Die gute Nachricht ist jedoch: Über die Hälfte dieser Erkrankungen (bei Frauen ca. 57 %, bei Männern ca. 53 %) lassen sich auf fünf Faktoren zurückführen, die wir selbst beeinflussen können:

  1. Übergewicht (Body-Mass-Index)
  2. Hoher Blutdruck
  3. Rauchen
  4. Diabetes
  5. Erhöhte Cholesterinwerte (insbesondere das sogenannte Non-HDL-Cholesterin)
Die große „LDL-Lücke“: Warum Wissen Leben rettet

Obwohl wir wissen, wie wichtig die Kontrolle der Blutfettwerte ist, gibt es in der Praxis große Lücken. Besonders bei Menschen, die noch keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten, wird das LDL-Cholesterin (das „schlechte“ Cholesterin) viel zu selten kontrolliert.

Studien zeigen ein besorgniserregendes Bild:

  • Nur bei etwa der Hälfte der Risikopatienten wird innerhalb eines Jahres der LDL-Wert gemessen.

  • In Deutschland führt dies dazu, dass über 73 % der Personen mit hohem Risiko trotz zu hoher Werte keine Therapie zur Senkung der Fettwerte erhalten.

Neue Daten aus der Forschung: Die VESALIUS-CV Studie

Um die Vorsorge zu verbessern, wurde eine der bisher größten Studien (VESALIUS-CV mit über 12.000 Teilnehmern) durchgeführt. Das Besondere: Hier wurden gezielt Menschen untersucht, die ein hohes Risiko haben, aber noch keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben.

Wer gehört zur Hochrisikogruppe?

In der Studie wurden Personen untersucht, die erhöhte Fettwerte aufwiesen (LDL-C ab 90 mg/dl) und zusätzlich eine der folgenden Bedingungen erfüllten:

  • Eine bekannte Verkalkung der Herzkranzgefäße, der Hirngefäße oder der Beine.
  • Ein „Hochrisiko-Diabetes“ (z. B. seit mehr als 10 Jahren bestehend oder bei täglicher Insulingabe).
  • Ein Alter über 65 Jahre kombiniert mit Faktoren wie Rauchen.
Beeindruckende Ergebnisse bei der LDL-Senkung

Die Studie untersuchte die Wirkung eines modernen Wirkstoffs (eines sogenannten PCSK9-Inhibitors namens Evolocumab). Die Ergebnisse zeigen, dass eine sehr starke Senkung des LDL-Cholesterins möglich ist, selbst wenn die Patienten bereits andere Medikamente einnehmen.

Die wichtigsten Fakten der Untersuchung:

  • Der LDL-Wert konnte im Vergleich zu einer Scheinbehandlung (Placebo) im Mittel um 55 % gesenkt werden.

  • In der behandelten Gruppe sank der Wert nach 48 Wochen auf einen sehr niedrigen mittleren Wert von 45 mg/dl.

Fazit: Handeln, bevor etwas passiert

Die Wissenschaft verabschiedet sich zunehmend von der starren Trennung zwischen „Vorsorge“ und „Behandlung nach einem Ereignis“. Es geht vielmehr darum, das Fortschreiten der Gefäßverkalkung (Atherosklerose) so früh wie möglich zu stoppen.

Zur Vermeidung eines Fortschreitens dieses Prozesses gibt es neben dem in der VESALIUS-CV Studie eingesetzten PCSK9-Inhibitor eine ganze Reihe von Präparaten, die - ggf auch in Kombination eingesetzt - eine deutliche Reduktion der  LCL-Cholesterinwerte bewirken.

Eine konsequente Senkung des LDL-Cholesterins ist der entscheidende Schlüssel, um Folgeerkrankungen der Gefäße zu verhindern. Warten Sie also nicht auf Warnsignale Ihres Körpers. Sprechen Sie aktiv mit Ihrem Arzt über Ihren LDL-Wert – besonders wenn Sie zur Risikogruppe gehören. Eine frühzeitige und wirksame Therapie kann den entscheidenden Unterschied machen